Checkliste bei möglicher Steuerberaterhaftung
Keine Rechts- oder Steuerberatung:
Diese Checkliste dient ausschließlich der allgemeinen Information.
Sie ersetzt keine individuelle rechtliche oder steuerliche Prüfung des Einzelfalls.
Bei einem möglichen Steuerberaterfehler sollte möglichst früh strukturiert vorgegangen werden. Die folgende Checkliste hilft dabei, Beweise zu sichern, den Schaden nachvollziehbar aufzubereiten und typische Fehler zu vermeiden.
1. Beweise sofort sichern
- E-Mail-Postfächer sichern. Möglichst vollständig exportieren und nicht nur einzelne Screenshots speichern.
- Originaldateien erhalten. EML, MSG, PDF, Excel, DATEV-Exporte und Anhänge nicht verändern.
- Jahresabschlüsse und Steuererklärungen vollständig zusammenstellen.
- Steuerbescheide und Finanzamtskorrespondenz chronologisch sichern.
- Geschäftspartnerkorrespondenz einbeziehen. Sie kann Kosten-, Margen- und Investitionsverhalten belegen.
- Backups anlegen. Mindestens auf zwei getrennten Speichermedien.
- Keine Unterlagen löschen. Auch scheinbar ungünstige Dokumente vollständig erhalten.
2. Kommunikation ab jetzt dokumentieren
- Wichtige Fragen möglichst per E-Mail stellen.
- Telefonate anschließend schriftlich bestätigen.
- Sachlich und offen fragen. Keine emotionalen oder suggestiven Vorwürfe.
- Nach Zeitpunkten fragen. Wer wusste wann was?
- Nach Grundlagen fragen. Auf welcher rechtlichen oder steuerlichen Einschätzung beruhte die Behandlung?
3. Den wirtschaftlichen Verlauf dokumentieren
- Zustand vor Fehlerkenntnis sichern. Gewinne, Umsätze, Kontostände, Liquidität, Investitionen, Werbung und laufende Projekte.
- Entwicklung danach dokumentieren. Umsatzrückgänge, gestoppte Investitionen, nicht gestartete Projekte und Liquiditätsprobleme.
- Konkrete Geschäftschancen sichern. Angebote, Partner-E-Mails, Verträge oder vorbereitete Projekte.
- Historisches Entscheidungsverhalten belegen. Wie wurde früher auf Kosten-, Preis- oder Margenänderungen reagiert?
4. Schadenshöhe nicht vorschnell festlegen
- Nicht zu früh eine endgültige Summe nennen.
- Direkte und indirekte Schäden getrennt erfassen.
- Entgangenen Gewinn nur mit belastbaren Daten begründen.
- Weitere Folgeschäden offenhalten.
- Doppelzählungen vermeiden. Einzelne Schadensblöcke sauber voneinander abgrenzen.
5. Beweismittelliste anlegen
- Für jedes wichtige Dokument Datum und Beteiligte notieren.
- Zusätzlich festhalten: „Was beweist dieses Dokument?“
- Dokumente thematisch sortieren. Zum Beispiel Pflichtverletzung, Kenntnis, Kausalität, Schaden, Schadensminderung.
- Eine kurze Chronologie erstellen. Komplexe Fälle werden dadurch wesentlich verständlicher.
6. Den richtigen Anwalt auswählen
- Nicht nur nach „Fachanwalt für Steuerrecht“ suchen.
- Nach konkreter Erfahrung mit Steuerberaterhaftung fragen.
- Nach Prozesserfahrung gegen Berufshaftpflichtversicherer fragen.
- Mögliche Interessenkonflikte und Vorbefassungen prüfen lassen.
- Doppelqualifikation einordnen. Fachanwälte für Steuerrecht können zugleich Steuerberater sein.
- Bei kleineren Städten auch auf ausreichende berufliche Distanz achten.
- Bei großen Fällen prüfen, ob die Kanzlei den Anspruch notfalls tatsächlich einklagen würde.
7. Typische Versicherereinwände vorbereiten
- „Sowieso-Schaden“: Nicht nur über die Steuerposition streiten, sondern die konkrete Soll-Welt betrachten.
- „Sie hätten genauso gehandelt“: Historisches tatsächliches Verhalten dokumentieren.
- „Der Schaden ist spekulativ“: Verträge, KPIs, Partnerangebote und reale Geschäftszahlen verwenden.
- „Das Unternehmen wäre ohnehin gescheitert“: Gläubigerstruktur, Gewinne und operative Daten sichern.
- „Mitverschulden“: Frühere Fragen, Hinweise und eigene Reaktionen dokumentieren.
8. Fristen und Verjährung nicht vergessen
- Kenntniszeitpunkt dokumentieren.
- Verjährung frühzeitig prüfen lassen.
- Nicht darauf vertrauen, dass außergerichtliche Gespräche automatisch alles sichern.
- Bei noch nicht abschließend bezifferbaren Schäden Feststellungsfragen prüfen lassen.
9. Der wichtigste Grundsatz
Nicht nur behaupten, wenn man beweisen kann.
Je stärker ein Haftungsfall durch zeitgenössische E-Mails, Steuerunterlagen, Geschäftspartnerkorrespondenz und wirtschaftliche Daten getragen wird, desto weniger hängt er von späteren Erinnerungen und nachträglichen Erklärungen ab.
Wichtiger Hinweis:
Diese Checkliste enthält allgemeine Informationen zur möglichen Steuerberaterhaftung.
Sie stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar und ersetzt keine individuelle Prüfung
durch einen qualifizierten Berater.